Eine Überlebenshilfe nach dem Herztod

(August 2022) Wozu kann es gut sein, Organe nach dem Tod am Leben zu halten? Mediziner in Yale haben eine Maschine entwickelt, die Schäden minimiert und sogar Organe teilweise wiederbelebt. Die Organspende könnte das dramatisch verändern – aber noch lange nicht überall.

Wozu kann es gut sein, Organe nach dem Tod am Leben zu halten? Mediziner in Yale haben eine Maschine entwickelt, die Schäden minimiert und sogar Organe teilweise wiederbelebt. Die Organspende könnte das dramatisch verändern – aber noch lange nicht überall.

Wenn das Herz stehen bleibt und der Kreislauf stillsteht, fehlt für das Leben das Wichtigste: Sauerstoff. Dennoch muss Herzstillstand nicht das Ende sein. In der Pandemie sind schon Tausende Patienten mit der ECMO – der „extrakorporalen Membranoxygenierung“ – über die kritischste Phase hinübergerettet worden. Das Blut wird außerhalb des Körpers geleitet und in der Maschine mit Sauerstoff angereichert. Jetzt hat ein amerikanische Team der Yale School of Medicine in New Heaven einen Automaten – „OrganEx“ – an Schweinen getestet, der statt dem natürlichen Blut eine spezielle künstliche und vor allem zellfreie Lösung verwendet, um damit nach dem Herzstillstand über eine Stunde lang die Organe fast vollständig intakt zu halten – und sogar einiges von dem zuerst geschädigten Gewebe funktional wieder herzustellen. Auch nach sechs Stunden Perfusion waren die Schäden an Blutadern und Zellen geringer als etwa mit der ECMO, was dieses System vor allem auch für die „Lebenserhaltung“ von Ersatzorganen während der mitunter stundenlangen Transporte interessant macht.

Das System der amerikanischen Forscher soll insbesondere die Chancen einer Organspende von den an Kreislaufversagen verstorbenen Menschen erhöhen. Es ist darauf ausgerichtet, die Organschädigung zwischen dem Versterben des Patienten und der Transplantation zu minimieren. Allerdings ist das nun in Experimenten mit einigen Schweinen geprüfte und in der Zeitschrift „Nature“ präsentierte Resultat noch weit davon entfernt, für menschliche Organe nutzbar zu sein. Weitere Informationen kann man hier nachlesen.

Ein Herz aus dem Drucker – Gibt es Alternativen zur Organspende?

(Juli 2022) Seit Jahren sind in Deutschland die Organspenden rückläufig. 2020 standen etwa 10.000 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan, doch nur gut ein Drittel konnte ein passendes Organ erhalten. Dieser Notstand lässt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Lösungen suchen. Neben der ethisch umstrittenen Transplantation von Tierorganen werden mit dem sogenannten 3D-Biodruck ganz neue Methoden der künstlichen Organherstellung entwickelt. Wo steht die Forschung derzeit und welche Methoden und Verfahren sind denkbar, um die Organspende zu ergänzen oder vielleicht irgendwann zu ersetzen?

Was heute schon möglich ist und welche ethischen Problemstellungen mit den jeweiligen Transplantationsverfahren verbunden sind, darüber diskutieren der Medizinethiker Prof. Dr. Norbert W. Paul und die Biologin Prof. Dr. Constanca Ferreira de Figueiredo. Den Dialog an Deck der MS Wissenschaft moderiert am 21. Juli 2022 um 19 Uhr der Biologe und Wissenschaftsjournalist Michael Lange. 
Den Audiomitschnitt in der Veranstaltungsreihe Exkurs "Dialog an Deck" können Sie sich auf youtube anschauen:
https://www.youtube.com/watch?v=pPUvO_pBGp0

Xenotransplantation: Tiere als Organspender

(05.04.2022) Die Transplantation eines Schweineherzens als Ersatzteil für den menschlichen Körper: Ein Ärzteteam aus Maryland hat bewiesen, dass das Verfahren im Prinzip funktionieren kann. Der Patient verstarb allerdings nach zwei Monaten.

Auch wenn ein Schweineherz als Ersatzteil für den menschlichen Körper zunächst befremdlich klingt, ist das Herz eines Schweins dem des Menschen tatsächlich sehr ähnlich. Wenn die unterschiedlichen Erbanlagen nicht eine Abstoßungsreaktion hervorrufen würden, könnte ein Mensch mit einem Schweineherzen vermutlich Jahre und Jahrzehnte leben.
Was die Forschung hier schon erreicht hat und wie es weitergeht, zeigt die Reportage des NDR im Format "Visite" .

Erster Mensch mit transplantiertem Schweineherz gestorben

(10.03.2022)  Rund zwei Monate nach der weltweit ersten erfolgreichen Schweineherztrans­planta­tion bei einem Menschen ist der Patient, David Bennett, gestorben. Das teilte die behandelnde Klinik in Baltimore (USA) gestern mit. Sein Zustand habe sich schon vor einigen Tagen verschlechtert.

Zur Todesursache lagen zu­nächst keine näheren Angaben vor. Zuvor müsse eine genaue Untersuchung vorgenommen werden, hieß es. Lange war der Zustand des 57-jährigen Patienten stabil geblieben. Zu einer akuten Abstoßungsreaktion kam es laut Universität nicht. Weitere Infos finden Sie im Ärzteblatt.

Chance für Todkranke? US-Ärzte verpflanzen erstmals Schweineherz

(21.01.2022)

  • US-Medizinerinnen und Mediziner haben erfolgreich Schweinenieren auf einen hirntoten Patienten übertragen.
  • Die Organe stammten von einem genetisch verändertem Schwein.
  • Bis so ein Eingriff hilft, den Mangel an Spenderorganen zu bekämpfen, wird es noch einige Zeit dauern.

Rund zwei Wochen nach der Transplantation eines Schweineherzens auf einen herzkranken Patienten berichten US-Mediziner und -Medizinerinnen von der Übertragung von Schweinenieren auf einen Menschen. Bei dem Eingriff ging es allerdings nicht darum, das Leben des Patienten zu retten, sondern um eine grundsätzliche Erprobung des Verfahrens – der Mann war zum Zeitpunkt der Transplantation bereits hirntot. Für einen deutschen Experten zeigt die Studie, wie weit die Xenotransplantation, also die Übertragung von tierischen Organen auf den Menschen, mittlerweile gekommen ist. Bis zur tatsächlichen Anwendung müssten jedoch noch einige Fragen beantwortet werden.

Die Ärzte und Ärztinnen der University of Alabama at Birmingham (UAB) hatten die Nieren eines genetisch veränderten Schweins auf den 57-jährigen, hirntoten Mann übertragen, wie sie im „American Journal of Transplantation“ berichten. Sie simulierten dazu so weit wie möglich jeden Schritt einer herkömmlichen Organspende zwischen zwei Menschen. „Mit dieser Transplantation konnten wir zeigen, dass man eine Niere von einem gentechnisch veränderten Schwein in einen erwachsenen, hirntoten Menschen implantieren kann und dass sie ihre Integrität behält, also normal durchblutet wird“, sagte die leitende Chirurgin Jayme Locke laut einer Mitteilung.
Weitere Informationen enthält der Artikel des Redaktionsnetzwerks Deutschland und ein Artikel im Ärzteblatt. 
Ein Interview mit dem Ethiker Nikolaus Knoepfler zu diesem Thema können Sie in der TAZ lesen.

Transplantation gelingt: Hirntoter Mann erhält Schweinenieren

(11.01.2022) Erstmals ist einem Menschen in den USA ein Schweineherz eingesetzt worden. Der schwer kranke 57-Jährige habe das Organ am Freitag bekommen, bisher gehe es es ihm gut, hieß es. Eine neue Hoffnung für Tausende, die auf ein Spenderorgan warten?

In Deutschland warten Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation zufolge derzeit mehr als 9.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Wie viele von ihnen ein neues Herz brauchen, ist unklar. Anfang 2021 lag die Zahl bei rund 700. Für die meisten von ihnen gibt es kaum Hoffnung, dass sie rechtzeitig operiert werden können: Die Wartelisten sind lang, Organspender gibt es viel zu wenige. Im Jahr 2021 konnten nur in 856 Fällen Spendern nach dem Tod Organe entnommen werden.

Die Meldung aus Baltimore vom Dienstag, dass US-Ärzte erstmals erfolgreich einem Menschen ein Schweineherz verpflanzt haben, gibt immerhin für die Zukunft Anlass zur Hoffnung. Fragen und Antworten.

Was ist das Besondere an der Operation?

Das Verpflanzen von Organen von tierischen Spendern an Menschen gilt als die Zukunft der Transplantationschirurgie. Schon jetzt leben viele Menschen mit einer Herzklappe, die aus dem Gewebe von Schweinen oder Rindern geformt wurde. Die aktuelle Operation in den USA ist allerdings ein gewaltiger Entwicklungssprung für die so genannte "Xenotransplantations"-Technik (xénos: altgriechisch für "fremd"): Erstmals wurde einem Menschen ein vollständiges Schweineherz implantiert. Die Ärzte von der University of Maryland in Baltimore erklärten am Montag, nach der OP am Freitag habe das Spenderherz seine Arbeit aufgenommen. Dem Patienten gehe es gut.
Weitere Infos bieten folgende Quellen:
WDR / BR24 / Ärzteblatt.de

US-Chirurgen gelingt Schweinenieren-Transplantation an Mensch

(20.10.2021) Diese Nachricht erzeugt einerseits Hoffnung, andererseits auch Schrecken und ethische Bedenken, ob man Tiere als "Ersatzteillager" für Menschen nutzen darf.

Die Forschung zu dieser sog. "Xenotransplantation" gibt es schon seit vielen Jahren, ohne dass man auf eine baldige Anwendung beim Menschen hoffte. Zu viel musste noch gentechnisch bei den Schweinen, deren Organe genutzt werden sollen, verändert werden. 

Nun hat in den USA hat ein Team von Ärzten zum ersten Mal eine Schweineniere in einen Menschen transplantiert, ohne dass das Organ während der Zeit des Experimentes abgestoßen wurde. Das Experiment wurde an einer Patientin durchgeführt, die hirntod war und eine schwere Nierenfunktionsstörung hatte. 

Ihre Familie stimmte dem Experiment zu, bevor sie von den lebenserhaltenden Maßnahmen abgeschaltet werden sollte. Drei Tage lang wurde die neue Niere an ihren Blutgefäßen befestigt und außerhalb ihres Körpers aufbewahrt, sodass die Ärzte Zugang zu ihr hatten. Die Niere tat, was sie tun sollte – Abfall filtern und Urin produzieren – und löste keine Abstoßung aus.
Weitere Informationen und auch eine zurückhaltende Bewertung hat das Ärzteblatt veröffentlicht. Weitere Infos finden Sie auch auf der Internetseite des Bayerischen Rundfunks