Organspendegesetz droht zu einem Flop zu werden

(11.11.2021) Zwei Jahre hatten Bund und Länder Zeit, um die Infrastruktur für das bundesweite Organspenderregister zu schaffen. Das Register steht bis März zwar in seiner Grundstruktur, der wichtige Zugangsweg über die Bürgerämter wird aber offenbar zunächst verschlossen bleiben. Das geht aus einer Antwort des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) auf eine parlamentarische Anfrage der Bundestagsabgeordneten Dr. Petra Sitte der Linksfraktion hervor, die der „Ärzte Zeitung“ vorliegt.

Demnach sollen die Bundesbürger die Möglichkeit erhalten, ihre Organspendebereitschaft über die Internetseite des Registers abzugeben. Dabei müssten sie sich mithilfe der Online-Ausweisfunktion (eID) ihres Personalausweises authentifizieren.

Direkt im Bürgeramt bei der Beantragung eines neuen Ausweises oder der Passausgabe können sie indes keine Erklärung abgeben. Dort sollen sie nach dem „Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft der Organspende“, das 2020 beschlossen wurde, aber just bei diesen Anlässen regelmäßig darauf hingewiesen werden, dass sie die Erklärung elektronisch abgegeben können und Infomaterial zur Organspende erhalten. Inwieweit eine Anbindung der Bürgerämter erfolgen soll, werde derzeit noch geprüft, schreibt das BMG.

„Dieses Organspendegesetz droht zu einem Flop zu werden. Denn sein Herzstück, das neue Spenderregister, wird auf absehbare Zeit nicht über die Bürgerämter zu erreichen sein und daher wenig ausstrahlen“, so Sitte. Dabei kritisiert sie auch, dass Länder und Kommunen zwar neue Aufgaben erfüllen sollen, dafür aber keine zusätzlichen Mittel erhalten. „Die Umsetzung folgt dem Prinzip: Der Bund informiert, andere sollen machen“, sagt die forschungspolitische Sprecherin der Linken. Nach fast zwei Jahren Vorbereitungszeit sei dieser Stand der Umsetzung angesichts der akuten Knappheit an Spenderorganen eine herbe Enttäuschung.  Weiterführende Infos: Ärztezeitung

DGU-Appell an mögliche Koalitionäre: Organspende und Transplantation voranbringen!

(10.11.2021) Während jährlich in Deutschland circa 9.500 Organe benötigt werden, standen 2020 nur 2.941 Spenderorgane zur Verfügung. Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland Schlusslicht. Spanien, Frankreich und Italien haben 3- bis 4-mal mehr Spender. Weltweit rangiert Deutschland bei der Organspende auf dem 30. Platz – gleichauf mit Bulgarien, China oder Rumänien. Angesichts dieser katastrophalen Lage appelliert die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) an die mögliche Ampelkoalition, Organspende und Transplantationsmedizin in Deutschland endlich voranzubringen.

Damit schließt sich die DGU dem Appell der Patienteninitiative der Interessengemeinschaft Niere NRW e.V. und des Netzwerkes Organspende NRW e.V. an, bei den Koalitionsvertragsverhandlungen das Thema Organspende und Transplantation aufzunehmen und weiterzuentwickeln.

Vorstand und Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. sind der Meinung, dass sich eine medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft immer dann positionieren und Verantwortung übernehmen soll, wenn sie begründete Bedenken hat, dass das medizinisch Mögliche und Notwendige de facto unseren Patienten vorenthalten wird, heißt es in dem Schreiben der DGU an die FachpolitikerInnen Gesundheit von SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP vom 5. November 2021. In diesem Sinne hatte sich die DGU in den letzten Jahren immer wieder zu Wort gemeldet, hatte die Handlungsträger zu Parlamentarischen Abenden zu Organspende und Transplantationsmedizin eingeladen und 2018 unter der Präsidentschaft von Prof. Dr. Paolo Fornara, Federführender der Arbeitsgruppe Richtlinie Empfängerschutz Lebendorganspende der BÄK, Organsachverständiger Niere der Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK) und Vorstand des Arbeitskreises Nierentransplantation der DGU, nicht zuletzt ihren Ruf nach E inführung der doppelten Widerspruchslösung bei der Organspende erneuert. Die gesamte Pressemitteilung lesen Sie im Informationsdienst Wissenschaft (idw).

Ärztetag spricht sich für Cross-over-Lebend­spende aus

(04.11.2021) Der 125. Deutsche Ärztetag (DÄT) hat sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, den Spenderkreis bei der Lebendorganspende auszuweiten. Aus Sicht des Ärzteparlaments sollte künftig eine Cross-over-Lebendspende –­ wie sie bereits in anderen Ländern erlaubt ist ­– auch in Deutschland ermöglicht wer­den.

Dazu sind gesetzliche Neuregelungen erforderlich. Konkret müsste Paragraf 8 Ansatz 1 des Transplan­ta­tionsgesetzes (TPG) erweitert werden, ein Spender-Empfänger-Paar mit einem geeigneten zweiten Paar vereinbaren kann, dass zwei Lebendorganspenden kreuzweise durchgeführt werden (also Spender A/Empfänger B und umgekehrt).

„Die Lebendorganspende muss auf Basis des aktuellen Standes der Wissenschaft neu geregelt und ge­dacht werden“, sagte Günther Matheis, Präsident der Ärztekammer Rheinland-Pfalz (LÄKRLP), bei der gestrigen Debatte.
Die gesamte Pressemitteilung finden Sie hier

Organmangel – welche Lösungsansätze gibt es?

(21.10.2021) Presseinformation von Dr. Bettina Albers, Pressestelle des DTG-Kongress 2021 (Geschäftsstelle Deutsche Transplantationsgesellschaft e.V.)

Die Widerspruchslösung konnte politisch nicht durchgesetzt werden, Transplantationsmedizinerinnen und -mediziner werten das als vertane Chance. Umso wichtiger sei es nun, die anderen Stellschrauben zu betätigen, um bei der Organspende endlich einen positiven Trend herbeizuführen. Dazu zählen u. a. die Einführung eines Registers, in dem der Organspendewille hinterlegt ist, die Zulassung von Organen von Spendern, die an einem Herzversagen verstorben sind, oder die Öffnung der Lebendspenderegeln. „Wir müssen diese Maßnahmen jetzt beherzt angehen, damit sich endlich etwas tut!“

Fast 10.000 Menschen in Deutschland warten auf ein lebensrettendes Organ – doch nur 3.347 Menschen konnten im Jahr 2020 transplantiert werden. Seit Jahren herrscht ein eklatanter Organmangel und bislang konnte keine, auch noch so gut gemeinte oder auch gut gemachte Kampagne oder gesellschaftspolitische Initiative eine Trendwende herbeiführen.
Den gesamten Bericht finden Sie im Informationsdienst Wissenschaft

Organspende: Zuständigkeits­probleme könnten Onlineregister verzögern

(08.09.2021) Ab März kommenden Jahres soll es in Deutschland ein Onlineregister geben, in das die Men­schen ihre Bereitschaft für oder gegen eine Organspende eintragen lassen können sollen. Ob das Re­gister allerdings bis zum März kommen wird, scheint nicht sicher, wie eine Antwort des Bundesministe­riums für Gesundheit auf eine schriftliche Frage der FDP-Abgeordneten Kathrin Helling-Plahr zeigt.

In dem Schreiben, das dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt, heißt es vom Ministerium zwar, man gehe wie auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) davon aus, dass das Register „seinen Wirkbetrieb am 1. März 2022 aufnehmen können wird“.

Allerdings weist BMG-Staatssekretärin Sabine Weiss auch auf eine Reihe von Problemen hin, die derzeit die Arbeit am Register behindern. So hätten sich die Länder bisher „nicht auf eine Zuständigkeit für die Anbindung der Ausweisstellen an das Register einigen“ können, schreibt sie. Das BMG habe daher den Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferen (GMK) gebeten, auf eine Einigung der Länderzustän­dig­keiten „hinzuwirken“.

Nach Auffassung des Bundes hat der Bund nicht die Zuständigkeit für die Umsetzung der Frage, wie „Bür­gerinnen und Bürger ab 1. März 2022 ihre Erklärung zur Organspende in den genannten Stellen abgeben können“. Bei den Ländern ist demnach umstritten, ob die Zuständigkeiten der Pass- und Meldeämter in den Bereich der Innenressorts oder der Gesundheitsressorts fallen.

Wie weit das Register technisch bisher umgesetzt ist, schreibt das BMG nicht direkt. Dazu heißt es ledig­lich, die Initialisierung des Netzanschlusses an die Telematikinfrastruktur (TI) mit einem aAdG-NetG-An­schluss sei gestartet. Die „notwendige Entwicklungskapazitäten“ seien stetig erweitert worden.

Der Antwort zufolge wurden die Gematik, die Deutsche Stiftung Organtransplantation und die Deutsche Krankenhausgesellschaft in das Projekt eingebunden. Es gebe darüber hinaus einen Austausch mit den Entnahmekrankenhäusern und den Krankenkassen, wie es hieß.

Darüber hinaus schreibt das Ministerium, dass Hausärzte zur Unterstützung des „künftigen Aufklärungs­auftrags“ ab Januar 2022 ein „Standardinformationspaket“ zur Weitergabe an Patienten bekommen sollen (Quelle: Deutsches Ärzteblatt v. 08.09.2021)

Formulierung zur Organspende muss eindeutig und widerspruchsfrei sein

 (28.04.2021) Patienten können nach ihrem Tod nur dann Organe spenden, wenn sie intensivmedizinische Maßnahmen nicht explizit ausschließen. Eine neue Broschüre bietet Formulierungshilfen.

Wer nach dem Tod Organe spenden möchte, kann diesen Wunsch in seiner Patientenverfügung festhalten. Diese Formulierung sollte jedoch eindeutig und widerspruchsfrei sein, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Schließe man bestimmte intensivmedizinische Maßnahmen wie eine künstliche Beatmung in der Verfügung aus, könne keine Diagnose des Hirntods erfolgen, erklärt der kommissarische BZgA-Direktor Professor Martin Dietrich. Für eine Entnahme der Organe sind nach Feststellen des Hirntods aber eine künstliche Beatmung und das Aufrechterhalten des Herz-Kreislaufsystems nötig. Schließt man solche Maßnahmen in der Patientenverfügung aus, lässt sich eine gewünschte Organspende womöglich nicht umsetzen.

Wer zwar grundsätzlich keine lebensverlängernden Maßnahmen möchte, aber für die Durchführung einer Organspende eine Ausnahme zulassen will, sollte das in seiner Verfügung auch entsprechend formulieren. Formulierungsvorschläge für diesen Fall, weitere Textbausteine rund um Organspende sowie allgemeine Informationen zum Thema haben die BZgA und die Bundesnotarkammer in der kostenfreien Broschüre „Organspende in der Patientenverfügung“ zusammengefasst.
Die Broschüre kann kostenfrei bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bestellt werden. (dpa)

Auf dem Weg zum Organspenderegister

(28.11.2020) Noch immer setzen sich zu wenige Bundesbürger zu Lebzeiten mit der Frage einer möglichen Organspende auseinander. Dadurch müssen vielfach Angehörige entscheiden. Im vergangenen Jahr hatten gerade einmal 15 Prozent der bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) gemeldeten möglichen Organspender eine solche persönliche Entscheidung zur Organspende auch schriftlich dokumentiert.
Mit dem „Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende“, das 2021 in Kraft tritt, soll sich das ändern. Denn das Gesetz sieht den Aufbau eines bundesweiten Organspenderegisters vor. Dieses lässt bislang aber auf sich warten. Bereits Anfang des Jahres, nachdem die Entscheidungslösung von Bundestag und -rat beschlossen worden war, hatte die Regierung das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) damit beauftragt, ein Register „für Erklärungen zu Organ- und Gewebespende“ zu entwickeln und in Betrieb zu nehmen. Damit es nun vorangeht, schafft das GVWG den rechtlichen Rahmen für das Erfassen und die Evaluation der Daten. Weiter Informationen bietet der Artikel im Ärzteblatt

Organspende: Kein Einbruch – trotz Pandemie

(November 2020) Trotz der COVID-19-Pandemie konnten in Deutschland bislang Organspende und Transplantationen ohne größere Einbrüche fortgeführt werden. Im Gegensatz zu vielen Nachbarländern sind wir sehr gut durch die erste Welle gekommen“, sagte der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Dr. med. Axel Rahmel, beim 16. Jahreskongress der DSO, der aufgrund der Pandemie vom 3. bis 5. November 2020 virtuell stattfand.

Doch haben sich die Hoffnungen auf Verbesserung der Zahl der Organspenden durch das „Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende“ erfüllt? Die Maßnahmen setzen insbesondere an den zuvor identifizierten Schwachstellen an: an den Bedingungen und den Abläufen für die Organspende in den Entnahmekliniken sowie bei der Erkennung möglicher Spender. Eine erste Umfrage unter den an der virtuellen Konferenz teilnehmenden 400 Transplantationsbeauftragten ergab jedenfalls noch Verbesserungsbedarf.

Eine verbesserte Erkennung möglicher Spender in den Kliniken soll auch durch die seit letztem April ebenfalls gesetzlich vorgeschriebene Todesfallanalyse gefördert werden. Alle Entnahmekrankenhäuser sind seit April 2019 verpflichtet, Todesfälle mit primärer oder sekundärer Hirnschädigung zu erfassen und die Gründe zu eruieren, die eine Organspende verhindert haben.

Von den Einzelfallanalysen liegen bereits Zahlen vor: „Eine erste Auswertung zeigt, dass 2019 potenziell die Anzahl der Organspender hätte verdoppelt werden können“, erklärte DSO-Koordinator Sören Melsa. Bei etwa 1 000 Fällen hätte eine relevante Option auf eine Organspende bestanden, wenn sie in den Kliniken identifiziert worden wären. Teilweise sei trotz Indikation keine Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls erfolgt, berichtete Melsa.

Eine andere Lücke bei der Erkennung möglicher Organspender soll die erst seit wenigen Wochen, konkret seit Anfang September, geltende neue Richtlinie Spendererkennung der Bundes­ärzte­kammer schließen. „Sie ist ein Meilenstein bei der Erkennung von Organspendern und rückt die frühzeitige Beachtung des Patientenwillens und dessen Umsetzung in den Mittelpunkt“, erklärte Prof. Dr. med. Klaus Hahnenkamp, Universitätsmedizin Greifswald, beim Kongress. Geschrieben sei sie von „Praktikern für Praktiker“ und analysiere die Frage, wer bei schwerster Hirnschädigung unter ärztlichen Gesichtspunkten für eine Organentnahme infrage kommt. Hahnenkamp, der in den vergangenen fünf Jahren die Entstehung der Richtlinie innerhalb der entsprechenden Arbeitsgruppe der Bundes­ärzte­kammer begleitete, betonte, dass es bereits zum Zeitpunkt eines zu erwartenden oder vermuteten Hirnfunktionsausfalls gelte, durch Gespräche den möglichen Wunsch einer Organspende zu ermitteln.

Einen Widerspruch stellt für die DSO diesbezüglich das geplante Onlineregister für Erklärungen zu Organ- und Gewebespenden dar. Die Informationen im Register sollen nämlich erst nach der Todesfeststellung für speziell berechtigte Ärzte zugänglich gemacht werden.

Große Hoffnung verbinden die Experten zudem mit der Einführung des neurochirurgischen und neurologischen konsiliarischen Rufbereitschaftsdienstes, der vor allem die Krankenhäuser ohne Neurochirurgie bei der Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls unterstützen soll. 

Diese gesetzlich vorgesehene Unterstützung wird voraussichtlich erst im Jahr 2022 zur Verfügung stehen. 

Eine bedeutende Neuerung brachte das Gesetz bei der Angehörigenbetreuung, die offiziell der DSO übertragen wurde. Für die Angehörigen eines Organspenders sei wichtig zu erfahren, ob die gespendeten Organe transplantiert werden konnten und wie es den Empfängern geht, betont die DSO. Dazu müssten die Organempfänger jedoch in die Mitteilung der anonymisierten Ergebnisse einwilligen und die Transplantationszentren diese Information an die DSO weiterleiten. 

Quelle: Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann, Deutsches Ärzteblatt

Neue Richtlinie soll Erkennen potenzieller Organspender verbessern

(19.11.2020) Deutschlands Statistik zur Organspende lässt trotz vieler regulatorischer Verbesserungen weiterhin zu wünschen übrig. Auf bessere Zahlen zielt deshalb eine neue Richtlinie der Bundesärztekammer, die einer der Autoren als „Meilenstein in der Spendererkennung“ bezeichnet.

Wie ist das korrekte Vorgehen zur Erkennung eines Organspenders? Welche organisatorischen Maßnahmen müssen sichergestellt sein, wenn eine Organspende erfolgen soll? Dazu gibt es jetzt einen Richtlinientext mit ausführlicher Begründung. Am 1. September wurde die neue „Richtlinie gemäß § 16 Abs. 1 S. 1 Nr. 3 Transplantationsgesetz zur ärztlichen Beurteilung nach § 9a Abs. 2 Nr. 1 TPG (RL BÄK Spendererkennung)“ veröffentlicht. Koautor Professor Dr. Klaus Hahnenkamp, Universitätsmedizin Greifswald, bedauert, dass sie angesichts Corona „etwas geräuschlos“ an den Start gegangen ist. Den gesamten Bericht lesen Sie in Medical Tribune

Engstellen in Krankenhäusern

Bereits im Frühjahr 2019 trat ein Gesetz in Kraft, das die Krankenhäuser dazu verpflichtet, deutlich mehr Ärzte für das Thema Organspende freizustellen. Sogenannte Transplantationsbeauftragte sollen Patienten in Ruhe begutachten können, wenn diese möglicherweise als Spender in Betracht kommen. Zudem muss jede Klinik verbindliche Verfahrensabläufe festlegen, wie sie sich besser um das Thema Organspende kümmern kann. Es waren keine Bitten, die das Gesetz zur Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende (GZSO) formuliert. Die Vorgaben sind verbindlich, das Transplantationsgesetz wurde durch die Reform entsprechend geändert.

Doch bei der Umsetzung der wichtigen Strukturreform hakt es gewaltig. Welche Baustellen es noch gibt, erläutert der lesenswerte Artikel "Es hakt in den Krankenhäusern" in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Neuerungen bei Organspende wirken nicht

Das seit einem Jahr geltende Gesetz für bessere Organspende-Bedingungen in den Kliniken hat aus Expertensicht noch keine grundlegenden Fortschritte gezeigt.

Die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) verwies auf Anfrage darauf, dass wichtige Teile wie eine bessere Organisation der Hirntoddiagnostik noch nicht umgesetzt seien. "Im internationalen Vergleich können in Deutschland nur ein Drittel bis ein Viertel der anderswo üblichen Transplantationen durchgeführt werden", sagte DTG-Vorstandsmitglied Bernhard Banas der dpa.

Das am 1. April 2019 in Kraft getretene Gesetz sieht mehr Zeit und mehr Geld für die Kliniken vor, um zu mehr Organspenden zu kommen.

Bundestag beschließt die Entscheidungslösung

Die Bereitschaft, Organe nach dem eigenen Tod zu spenden, soll in Zukunft regelmäßiger erfragt werden. Das hat der Deutsche Bundestag am 16.01.2020 beschlossen. Künftig soll eine Erklärung zur Organspende auch in Ausweisstellen möglich sein. Außerdem sollen Hausärzte die Patienten ermuntern, eine Entscheidung zu dokumentieren. Eine Gruppe von Abgeordneten des Deutschen Bundestags um Annalena Baerbock und Katja Kipping hat den Gesetzentwurf eingebracht. 
Der Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung, eingebracht von Gesundheitsminister Jens Spahn zusammen mit dem SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, wurde von den Bundestagsabgeordneten verworfen.

Was ändert sich?

Die derzeit geltende Rechtslage (sog. Entscheidungslösung) bleibt in ihrem Kern unverändert, d. h. eine Organspende ist grundsätzlich nur dann möglich, wenn der mögliche Organspender zu Lebzeiten eingewilligt hat oder sein nächster Angehöriger zugestimmt hat.

Ziel ist es, die persönliche Entscheidung zu registrieren, verbindliche Information und bessere Aufklärung zu gewährleisten und die regelmäßige Auseinandersetzung mit der Thematik zu fördern.

Weitere Informationen finden Sie u. a. auf der Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Auflärung (BZGA).

Zweites Gesetz zur Änderung des Transplan­tations­­gesetzes

Mit dem Gesetz werden Maßnahmen ergriffen, die Experten – unter anderem die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) – seit Längerem gefordert hatten. Sie hatten den Rückgang bei den Organspenden in Deutschland in den vergan­genen Jahren nämlich nicht auf nachlassende Spendenbereitschaft der Bevölkerung zurückgeführt, sondern vielmehr auf Defizite bei der Arbeit in den Kliniken sowie anderen Bereiche wie beispielsweise die Überlastung des Personals auf Intensiv­stationen. Diese Schwachstellen sollen nun beseitigt werden.

Mit vier zentralen Aspekten will die Bundesregierung die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen in den Entnahmekrankenhäusern schaffen, um die Organspendezahlen dauerhaft zu erhöhen. Erstens seien das die im Gesetz verbindlich festgelegten Vorgaben für die Freistellung der Transplantationsbeauftragten. Diese soll auf der Grundlage der Anzahl der Intensivbehandlungsbetten in den Entnahmekrankenhäusern erfolgen. Wenn ein Entnahmekrankenhaus mehr als eine Intensivstation hat, soll jede Station mindestens einen Transplantationsbeauftragten benennen, dem sämtliche erforderlichen Informationen zur Auswertung des Spenderpotenzials zur Verfügung zu stellen sind. Der Aufwand wird vollständig refinanziert.

Zweitens werden die Entnahmekrankenhäuser insgesamt künftig für den gesamten Prozessablauf einer Organspende besser vergütet.

Drittens wird es künftig bundesweit einen neurologischen/neurochirurgischen konsiliarärztlichen Rufbereitschaftsdienst geben. Dieser soll gewährleisten, dass kleineren Entnahmekrankenhäusern jederzeit qualifizierte Ärzte bei der Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls zur Verfügung stehen.

Viertens werde mit dem neuen Gesetz erstmals die Angehörigenbetreuung rechtlich geregelt.
(Auszüge aus einem Artikel des Deutschen Ärzteblattes)

Ein Plädoyer für die Widerspruchslösung

Deutsche Transplantationsgesellschaft e.V. zum Thema Organspende

von Norbert Dörholt

(21.10.2019) Der Organspendermangel ist eklatant. Ein „weiter so“ ist in dieser Situation, wo jährlich tausende Menschen sterben, weil keine Spenderorgane zur Verfügung stehen, nicht hinnehmbar. Die DTG unterstützt daher den Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der doppelten Widerspruchslösung im Transplantationsgesetz. Die Widerspruchslösung sei eine faire, ethisch vertretbare und gleichzeitig pragmatische Lösung.

Die Gründe hat die Deutsche Transplantationsgesellschaft umfassend in einem offenen Brief an alle Parlamentarier dargelegt. Dr. Bettina Albers von der Geschäftsstelle der Deutschen Transplantationsgesellschaft e.V. erklärt die Problematik im Informationsdienst Wissenschaft (idw), dem Nachrichtenportal für Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung, näher. Die Pressemitteilung ist hier einzusehen und den offenen Brief der Transplantationsgesellschaft stellen wir Ihnen als Download zur Verfügung.

Widersprechen oder zustimmen? Was man zur Organspende wissen sollte

Die Frage wird emotional diskutiert. Nun gibt es einen ersten Gesetzentwurf zur Organspende. Zahlen, Daten, Fakten für eine sehr persönliche Entscheidung. Diese Zusammenstellung gibt viele Informationen zum Ablauf einer Organspende: 

 

https://www.tagesspiegel.de/politik/widersprechen-oder-zustimmen-was-man-zur-organspende-wissen-sollte/24191246.html

Organspende: Ärzteparlament plädiert für die Widerspruchslösung

Die Widerspruchslösung sollte die derzeit bestehende Entscheidungslösung in der Organspende ersetzen. Dafür hat sich nach kurzer Debatte der 121. Deutsche Ärztetag 2018 in Erfurt ausgesprochen. Die Delegierten forderten den Gesetzgeber auf, das Transplantationsgesetz (TPG) entsprechend zu verändern. „Es kann von jeder Bürgerin und jedem Bürger nach der gesetzlich in § 2 Abs. 1 TPG geregelten Aufklärung durch die Krankenkassen erwartet werden, dass sie sich mit der Problematik auseinandersetzen und im Falle einer tatsächlichen Ablehnung ihr NEIN zur Organspende formulieren“, heißt es in dem Antrag.
Weitere Infos kann man hier nachlesen.