Anstieg bei Organspenden im 1. Quartal 2020

Die Zahl der Organspenden in Deutschland hat sich seit Beginn des Jahres er­höht. Im ersten Quartal spendeten 260 Menschen postmortal ihre Organe, wie die Augsbur­ger Allgemeine unter Berufung auf Daten der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) be­richtet.

Auch die Zahl der Organspendeausweise erhöhte sich demnach deutlich. Der Zu­wachs bei den Organspenden liegt demnach bei 16 Prozent. „Wir sehen die Entwick­lung als positives Zeichen“, sagte Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO.
Die aktuellen Statistiken können auf der Webseite der DSO eingesehen werden.

Neuerungen bei Organspende wirken nicht

Das seit einem Jahr geltende Gesetz für bessere Organspende-Bedingungen in den Kliniken hat aus Expertensicht noch keine grundlegenden Fortschritte gezeigt.

Die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) verwies auf Anfrage darauf, dass wichtige Teile wie eine bessere Organisation der Hirntoddiagnostik noch nicht umgesetzt seien. "Im internationalen Vergleich können in Deutschland nur ein Drittel bis ein Viertel der anderswo üblichen Transplantationen durchgeführt werden", sagte DTG-Vorstandsmitglied Bernhard Banas der dpa.

Das am 1. April 2019 in Kraft getretene Gesetz sieht mehr Zeit und mehr Geld für die Kliniken vor, um zu mehr Organspenden zu kommen.

Bundestag beschließt die Entscheidungslösung

Die Bereitschaft, Organe nach dem eigenen Tod zu spenden, soll in Zukunft regelmäßiger erfragt werden. Das hat der Deutsche Bundestag am 16.01.2020 beschlossen. Künftig soll eine Erklärung zur Organspende auch in Ausweisstellen möglich sein. Außerdem sollen Hausärzte die Patienten ermuntern, eine Entscheidung zu dokumentieren. Eine Gruppe von Abgeordneten des Deutschen Bundestags um Annalena Baerbock und Katja Kipping hat den Gesetzentwurf eingebracht. 
Der Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung, eingebracht von Gesundheitsminister Jens Spahn zusammen mit dem SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, wurde von den Bundestagsabgeordneten verworfen.

Was ändert sich?

Die derzeit geltende Rechtslage (sog. Entscheidungslösung) bleibt in ihrem Kern unverändert, d. h. eine Organspende ist grundsätzlich nur dann möglich, wenn der mögliche Organspender zu Lebzeiten eingewilligt hat oder sein nächster Angehöriger zugestimmt hat.

Ziel ist es, die persönliche Entscheidung zu registrieren, verbindliche Information und bessere Aufklärung zu gewährleisten und die regelmäßige Auseinandersetzung mit der Thematik zu fördern.

Weitere Informationen finden Sie u. a. auf der Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Auflärung (BZGA).

Zweites Gesetz zur Änderung des Transplan­tations­­gesetzes

Mit dem Gesetz werden Maßnahmen ergriffen, die Experten – unter anderem die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) – seit Längerem gefordert hatten. Sie hatten den Rückgang bei den Organspenden in Deutschland in den vergan­genen Jahren nämlich nicht auf nachlassende Spendenbereitschaft der Bevölkerung zurückgeführt, sondern vielmehr auf Defizite bei der Arbeit in den Kliniken sowie anderen Bereiche wie beispielsweise die Überlastung des Personals auf Intensiv­stationen. Diese Schwachstellen sollen nun beseitigt werden.

Mit vier zentralen Aspekten will die Bundesregierung die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen in den Entnahmekrankenhäusern schaffen, um die Organspendezahlen dauerhaft zu erhöhen. Erstens seien das die im Gesetz verbindlich festgelegten Vorgaben für die Freistellung der Transplantationsbeauftragten. Diese soll auf der Grundlage der Anzahl der Intensivbehandlungsbetten in den Entnahmekrankenhäusern erfolgen. Wenn ein Entnahmekrankenhaus mehr als eine Intensivstation hat, soll jede Station mindestens einen Transplantationsbeauftragten benennen, dem sämtliche erforderlichen Informationen zur Auswertung des Spenderpotenzials zur Verfügung zu stellen sind. Der Aufwand wird vollständig refinanziert.

Zweitens werden die Entnahmekrankenhäuser insgesamt künftig für den gesamten Prozessablauf einer Organspende besser vergütet.

Drittens wird es künftig bundesweit einen neurologischen/neurochirurgischen konsiliarärztlichen Rufbereitschaftsdienst geben. Dieser soll gewährleisten, dass kleineren Entnahmekrankenhäusern jederzeit qualifizierte Ärzte bei der Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls zur Verfügung stehen.

Viertens werde mit dem neuen Gesetz erstmals die Angehörigenbetreuung rechtlich geregelt.
(Auszüge aus einem Artikel des Deutschen Ärzteblattes)

Ein Plädoyer für die Widerspruchslösung

Deutsche Transplantationsgesellschaft e.V. zum Thema Organspende

von Norbert Dörholt

(21.10.2019) Der Organspendermangel ist eklatant. Ein „weiter so“ ist in dieser Situation, wo jährlich tausende Menschen sterben, weil keine Spenderorgane zur Verfügung stehen, nicht hinnehmbar. Die DTG unterstützt daher den Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der doppelten Widerspruchslösung im Transplantationsgesetz. Die Widerspruchslösung sei eine faire, ethisch vertretbare und gleichzeitig pragmatische Lösung.

Die Gründe hat die Deutsche Transplantationsgesellschaft umfassend in einem offenen Brief an alle Parlamentarier dargelegt. Dr. Bettina Albers von der Geschäftsstelle der Deutschen Transplantationsgesellschaft e.V. erklärt die Problematik im Informationsdienst Wissenschaft (idw), dem Nachrichtenportal für Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung, näher. Die Pressemitteilung ist hier einzusehen und den offenen Brief der Transplantationsgesellschaft stellen wir Ihnen als Download zur Verfügung.

Ehemaliger Verfassungsrichter nennt Bedingungen für Spahns Organspendemodell

Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hält die von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) vorgeschlagene Widerspruchs­lösung bei der Organspende unter bestimmten Bedingungen für zulässig. Verfassungsrechtliche Bedenken „teile ich nicht“, sagte Papier den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Zwar greife die Widerspruchslösung in das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ein, stellte Papier fest. Doch dürfe dieses Grundrecht durch Gesetz eingeschränkt werden, wenn es wie bei der Organspende um den Schutz des Lebens und der Gesundheit anderer Menschen gehe (Auszug aus dem Ärzteblatt, den gesamten Artikel können Sie hier lesen).

Widersprechen oder zustimmen? Was man zur Organspende wissen sollte

Die Frage wird emotional diskutiert. Nun gibt es einen ersten Gesetzentwurf zur Organspende. Zahlen, Daten, Fakten für eine sehr persönliche Entscheidung. Diese Zusammenstellung gibt viele Informationen zum Ablauf einer Organspende: 

 

https://www.tagesspiegel.de/politik/widersprechen-oder-zustimmen-was-man-zur-organspende-wissen-sollte/24191246.html

Organspende: Ärzteparlament plädiert für die Widerspruchslösung

Die Widerspruchslösung sollte die derzeit bestehende Entscheidungslösung in der Organspende ersetzen. Dafür hat sich nach kurzer Debatte der 121. Deutsche Ärztetag 2018 in Erfurt ausgesprochen. Die Delegierten forderten den Gesetzgeber auf, das Transplantationsgesetz (TPG) entsprechend zu verändern. „Es kann von jeder Bürgerin und jedem Bürger nach der gesetzlich in § 2 Abs. 1 TPG geregelten Aufklärung durch die Krankenkassen erwartet werden, dass sie sich mit der Problematik auseinandersetzen und im Falle einer tatsächlichen Ablehnung ihr NEIN zur Organspende formulieren“, heißt es in dem Antrag.
Weitere Infos kann man hier nachlesen.