Formulierung zur Organspende muss eindeutig und widerspruchsfrei sein

 (28.04.2021) Patienten können nach ihrem Tod nur dann Organe spenden, wenn sie intensivmedizinische Maßnahmen nicht explizit ausschließen. Eine neue Broschüre bietet Formulierungshilfen.

Wer nach dem Tod Organe spenden möchte, kann diesen Wunsch in seiner Patientenverfügung festhalten. Diese Formulierung sollte jedoch eindeutig und widerspruchsfrei sein, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Schließe man bestimmte intensivmedizinische Maßnahmen wie eine künstliche Beatmung in der Verfügung aus, könne keine Diagnose des Hirntods erfolgen, erklärt der kommissarische BZgA-Direktor Professor Martin Dietrich. Für eine Entnahme der Organe sind nach Feststellen des Hirntods aber eine künstliche Beatmung und das Aufrechterhalten des Herz-Kreislaufsystems nötig. Schließt man solche Maßnahmen in der Patientenverfügung aus, lässt sich eine gewünschte Organspende womöglich nicht umsetzen.

Wer zwar grundsätzlich keine lebensverlängernden Maßnahmen möchte, aber für die Durchführung einer Organspende eine Ausnahme zulassen will, sollte das in seiner Verfügung auch entsprechend formulieren. Formulierungsvorschläge für diesen Fall, weitere Textbausteine rund um Organspende sowie allgemeine Informationen zum Thema haben die BZgA und die Bundesnotarkammer in der kostenfreien Broschüre „Organspende in der Patientenverfügung“ zusammengefasst.
Die Broschüre kann kostenfrei bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bestellt werden. (dpa)

Auf dem Weg zum Organspenderegister

(28.11.2020) Noch immer setzen sich zu wenige Bundesbürger zu Lebzeiten mit der Frage einer möglichen Organspende auseinander. Dadurch müssen vielfach Angehörige entscheiden. Im vergangenen Jahr hatten gerade einmal 15 Prozent der bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) gemeldeten möglichen Organspender eine solche persönliche Entscheidung zur Organspende auch schriftlich dokumentiert.
Mit dem „Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende“, das 2021 in Kraft tritt, soll sich das ändern. Denn das Gesetz sieht den Aufbau eines bundesweiten Organspenderegisters vor. Dieses lässt bislang aber auf sich warten. Bereits Anfang des Jahres, nachdem die Entscheidungslösung von Bundestag und -rat beschlossen worden war, hatte die Regierung das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) damit beauftragt, ein Register „für Erklärungen zu Organ- und Gewebespende“ zu entwickeln und in Betrieb zu nehmen. Damit es nun vorangeht, schafft das GVWG den rechtlichen Rahmen für das Erfassen und die Evaluation der Daten. Weiter Informationen bietet der Artikel im Ärzteblatt

Organspende: Kein Einbruch – trotz Pandemie

(November 2020) Trotz der COVID-19-Pandemie konnten in Deutschland bislang Organspende und Transplantationen ohne größere Einbrüche fortgeführt werden. Im Gegensatz zu vielen Nachbarländern sind wir sehr gut durch die erste Welle gekommen“, sagte der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Dr. med. Axel Rahmel, beim 16. Jahreskongress der DSO, der aufgrund der Pandemie vom 3. bis 5. November 2020 virtuell stattfand.

Doch haben sich die Hoffnungen auf Verbesserung der Zahl der Organspenden durch das „Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende“ erfüllt? Die Maßnahmen setzen insbesondere an den zuvor identifizierten Schwachstellen an: an den Bedingungen und den Abläufen für die Organspende in den Entnahmekliniken sowie bei der Erkennung möglicher Spender. Eine erste Umfrage unter den an der virtuellen Konferenz teilnehmenden 400 Transplantationsbeauftragten ergab jedenfalls noch Verbesserungsbedarf.

Eine verbesserte Erkennung möglicher Spender in den Kliniken soll auch durch die seit letztem April ebenfalls gesetzlich vorgeschriebene Todesfallanalyse gefördert werden. Alle Entnahmekrankenhäuser sind seit April 2019 verpflichtet, Todesfälle mit primärer oder sekundärer Hirnschädigung zu erfassen und die Gründe zu eruieren, die eine Organspende verhindert haben.

Von den Einzelfallanalysen liegen bereits Zahlen vor: „Eine erste Auswertung zeigt, dass 2019 potenziell die Anzahl der Organspender hätte verdoppelt werden können“, erklärte DSO-Koordinator Sören Melsa. Bei etwa 1 000 Fällen hätte eine relevante Option auf eine Organspende bestanden, wenn sie in den Kliniken identifiziert worden wären. Teilweise sei trotz Indikation keine Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls erfolgt, berichtete Melsa.

Eine andere Lücke bei der Erkennung möglicher Organspender soll die erst seit wenigen Wochen, konkret seit Anfang September, geltende neue Richtlinie Spendererkennung der Bundes­ärzte­kammer schließen. „Sie ist ein Meilenstein bei der Erkennung von Organspendern und rückt die frühzeitige Beachtung des Patientenwillens und dessen Umsetzung in den Mittelpunkt“, erklärte Prof. Dr. med. Klaus Hahnenkamp, Universitätsmedizin Greifswald, beim Kongress. Geschrieben sei sie von „Praktikern für Praktiker“ und analysiere die Frage, wer bei schwerster Hirnschädigung unter ärztlichen Gesichtspunkten für eine Organentnahme infrage kommt. Hahnenkamp, der in den vergangenen fünf Jahren die Entstehung der Richtlinie innerhalb der entsprechenden Arbeitsgruppe der Bundes­ärzte­kammer begleitete, betonte, dass es bereits zum Zeitpunkt eines zu erwartenden oder vermuteten Hirnfunktionsausfalls gelte, durch Gespräche den möglichen Wunsch einer Organspende zu ermitteln.

Einen Widerspruch stellt für die DSO diesbezüglich das geplante Onlineregister für Erklärungen zu Organ- und Gewebespenden dar. Die Informationen im Register sollen nämlich erst nach der Todesfeststellung für speziell berechtigte Ärzte zugänglich gemacht werden.

Große Hoffnung verbinden die Experten zudem mit der Einführung des neurochirurgischen und neurologischen konsiliarischen Rufbereitschaftsdienstes, der vor allem die Krankenhäuser ohne Neurochirurgie bei der Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls unterstützen soll. 

Diese gesetzlich vorgesehene Unterstützung wird voraussichtlich erst im Jahr 2022 zur Verfügung stehen. 

Eine bedeutende Neuerung brachte das Gesetz bei der Angehörigenbetreuung, die offiziell der DSO übertragen wurde. Für die Angehörigen eines Organspenders sei wichtig zu erfahren, ob die gespendeten Organe transplantiert werden konnten und wie es den Empfängern geht, betont die DSO. Dazu müssten die Organempfänger jedoch in die Mitteilung der anonymisierten Ergebnisse einwilligen und die Transplantationszentren diese Information an die DSO weiterleiten. 

Quelle: Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann, Deutsches Ärzteblatt

Neue Richtlinie soll Erkennen potenzieller Organspender verbessern

(19.11.2020) Deutschlands Statistik zur Organspende lässt trotz vieler regulatorischer Verbesserungen weiterhin zu wünschen übrig. Auf bessere Zahlen zielt deshalb eine neue Richtlinie der Bundesärztekammer, die einer der Autoren als „Meilenstein in der Spendererkennung“ bezeichnet.

Wie ist das korrekte Vorgehen zur Erkennung eines Organspenders? Welche organisatorischen Maßnahmen müssen sichergestellt sein, wenn eine Organspende erfolgen soll? Dazu gibt es jetzt einen Richtlinientext mit ausführlicher Begründung. Am 1. September wurde die neue „Richtlinie gemäß § 16 Abs. 1 S. 1 Nr. 3 Transplantationsgesetz zur ärztlichen Beurteilung nach § 9a Abs. 2 Nr. 1 TPG (RL BÄK Spendererkennung)“ veröffentlicht. Koautor Professor Dr. Klaus Hahnenkamp, Universitätsmedizin Greifswald, bedauert, dass sie angesichts Corona „etwas geräuschlos“ an den Start gegangen ist. Den gesamten Bericht lesen Sie in Medical Tribune

Engstellen in Krankenhäusern

Bereits im Frühjahr 2019 trat ein Gesetz in Kraft, das die Krankenhäuser dazu verpflichtet, deutlich mehr Ärzte für das Thema Organspende freizustellen. Sogenannte Transplantationsbeauftragte sollen Patienten in Ruhe begutachten können, wenn diese möglicherweise als Spender in Betracht kommen. Zudem muss jede Klinik verbindliche Verfahrensabläufe festlegen, wie sie sich besser um das Thema Organspende kümmern kann. Es waren keine Bitten, die das Gesetz zur Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende (GZSO) formuliert. Die Vorgaben sind verbindlich, das Transplantationsgesetz wurde durch die Reform entsprechend geändert.

Doch bei der Umsetzung der wichtigen Strukturreform hakt es gewaltig. Welche Baustellen es noch gibt, erläutert der lesenswerte Artikel "Es hakt in den Krankenhäusern" in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Neuerungen bei Organspende wirken nicht

Das seit einem Jahr geltende Gesetz für bessere Organspende-Bedingungen in den Kliniken hat aus Expertensicht noch keine grundlegenden Fortschritte gezeigt.

Die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) verwies auf Anfrage darauf, dass wichtige Teile wie eine bessere Organisation der Hirntoddiagnostik noch nicht umgesetzt seien. "Im internationalen Vergleich können in Deutschland nur ein Drittel bis ein Viertel der anderswo üblichen Transplantationen durchgeführt werden", sagte DTG-Vorstandsmitglied Bernhard Banas der dpa.

Das am 1. April 2019 in Kraft getretene Gesetz sieht mehr Zeit und mehr Geld für die Kliniken vor, um zu mehr Organspenden zu kommen.

Bundestag beschließt die Entscheidungslösung

Die Bereitschaft, Organe nach dem eigenen Tod zu spenden, soll in Zukunft regelmäßiger erfragt werden. Das hat der Deutsche Bundestag am 16.01.2020 beschlossen. Künftig soll eine Erklärung zur Organspende auch in Ausweisstellen möglich sein. Außerdem sollen Hausärzte die Patienten ermuntern, eine Entscheidung zu dokumentieren. Eine Gruppe von Abgeordneten des Deutschen Bundestags um Annalena Baerbock und Katja Kipping hat den Gesetzentwurf eingebracht. 
Der Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung, eingebracht von Gesundheitsminister Jens Spahn zusammen mit dem SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, wurde von den Bundestagsabgeordneten verworfen.

Was ändert sich?

Die derzeit geltende Rechtslage (sog. Entscheidungslösung) bleibt in ihrem Kern unverändert, d. h. eine Organspende ist grundsätzlich nur dann möglich, wenn der mögliche Organspender zu Lebzeiten eingewilligt hat oder sein nächster Angehöriger zugestimmt hat.

Ziel ist es, die persönliche Entscheidung zu registrieren, verbindliche Information und bessere Aufklärung zu gewährleisten und die regelmäßige Auseinandersetzung mit der Thematik zu fördern.

Weitere Informationen finden Sie u. a. auf der Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Auflärung (BZGA).

Zweites Gesetz zur Änderung des Transplan­tations­­gesetzes

Mit dem Gesetz werden Maßnahmen ergriffen, die Experten – unter anderem die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) – seit Längerem gefordert hatten. Sie hatten den Rückgang bei den Organspenden in Deutschland in den vergan­genen Jahren nämlich nicht auf nachlassende Spendenbereitschaft der Bevölkerung zurückgeführt, sondern vielmehr auf Defizite bei der Arbeit in den Kliniken sowie anderen Bereiche wie beispielsweise die Überlastung des Personals auf Intensiv­stationen. Diese Schwachstellen sollen nun beseitigt werden.

Mit vier zentralen Aspekten will die Bundesregierung die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen in den Entnahmekrankenhäusern schaffen, um die Organspendezahlen dauerhaft zu erhöhen. Erstens seien das die im Gesetz verbindlich festgelegten Vorgaben für die Freistellung der Transplantationsbeauftragten. Diese soll auf der Grundlage der Anzahl der Intensivbehandlungsbetten in den Entnahmekrankenhäusern erfolgen. Wenn ein Entnahmekrankenhaus mehr als eine Intensivstation hat, soll jede Station mindestens einen Transplantationsbeauftragten benennen, dem sämtliche erforderlichen Informationen zur Auswertung des Spenderpotenzials zur Verfügung zu stellen sind. Der Aufwand wird vollständig refinanziert.

Zweitens werden die Entnahmekrankenhäuser insgesamt künftig für den gesamten Prozessablauf einer Organspende besser vergütet.

Drittens wird es künftig bundesweit einen neurologischen/neurochirurgischen konsiliarärztlichen Rufbereitschaftsdienst geben. Dieser soll gewährleisten, dass kleineren Entnahmekrankenhäusern jederzeit qualifizierte Ärzte bei der Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls zur Verfügung stehen.

Viertens werde mit dem neuen Gesetz erstmals die Angehörigenbetreuung rechtlich geregelt.
(Auszüge aus einem Artikel des Deutschen Ärzteblattes)

Ein Plädoyer für die Widerspruchslösung

Deutsche Transplantationsgesellschaft e.V. zum Thema Organspende

von Norbert Dörholt

(21.10.2019) Der Organspendermangel ist eklatant. Ein „weiter so“ ist in dieser Situation, wo jährlich tausende Menschen sterben, weil keine Spenderorgane zur Verfügung stehen, nicht hinnehmbar. Die DTG unterstützt daher den Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der doppelten Widerspruchslösung im Transplantationsgesetz. Die Widerspruchslösung sei eine faire, ethisch vertretbare und gleichzeitig pragmatische Lösung.

Die Gründe hat die Deutsche Transplantationsgesellschaft umfassend in einem offenen Brief an alle Parlamentarier dargelegt. Dr. Bettina Albers von der Geschäftsstelle der Deutschen Transplantationsgesellschaft e.V. erklärt die Problematik im Informationsdienst Wissenschaft (idw), dem Nachrichtenportal für Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung, näher. Die Pressemitteilung ist hier einzusehen und den offenen Brief der Transplantationsgesellschaft stellen wir Ihnen als Download zur Verfügung.

Widersprechen oder zustimmen? Was man zur Organspende wissen sollte

Die Frage wird emotional diskutiert. Nun gibt es einen ersten Gesetzentwurf zur Organspende. Zahlen, Daten, Fakten für eine sehr persönliche Entscheidung. Diese Zusammenstellung gibt viele Informationen zum Ablauf einer Organspende: 

 

https://www.tagesspiegel.de/politik/widersprechen-oder-zustimmen-was-man-zur-organspende-wissen-sollte/24191246.html

Organspende: Ärzteparlament plädiert für die Widerspruchslösung

Die Widerspruchslösung sollte die derzeit bestehende Entscheidungslösung in der Organspende ersetzen. Dafür hat sich nach kurzer Debatte der 121. Deutsche Ärztetag 2018 in Erfurt ausgesprochen. Die Delegierten forderten den Gesetzgeber auf, das Transplantationsgesetz (TPG) entsprechend zu verändern. „Es kann von jeder Bürgerin und jedem Bürger nach der gesetzlich in § 2 Abs. 1 TPG geregelten Aufklärung durch die Krankenkassen erwartet werden, dass sie sich mit der Problematik auseinandersetzen und im Falle einer tatsächlichen Ablehnung ihr NEIN zur Organspende formulieren“, heißt es in dem Antrag.
Weitere Infos kann man hier nachlesen.