|

Allgemeines
Das
Wort Dialyse leitet sich aus dem Griechischen dialysis ab, was Auflösung
bedeutet. Die Dialyse ist ein Verfahren zur Blutreinigung und wird
beim akuten oder chronischen Versagen der Nieren angewandt.
Bei
einem gesunden Körper reinigen die Nieren das Blut von Abfallstoffen
wie zum Beispiel Harnsäure und Harnstoff, die durch Stoffwechselvorgänge
entstehen. Die Nieren regulieren den Säure-Basen-Haushalt des
Körpers, der pH-Wert des Blutes darf nur in sehr engen Grenzen
schwanken, sonst wird der Körper "sauer" oder "alkalisch",
was jeweils letztlich zum Tode führt.
Die
Niere reguliert den Gehalt an Körpersalzen. Bei schlechter
Nierenfunktion kann es durch Anstieg des Kaliumwertes im Blut ebenfalls
zum Tod führen. Weitere Funktionen sind die Bildung von Erythropoetin,
einem blutbildenden Hormon (auch als Dopingmittel benutzt), von
blutdrucksteigernden Hormonen, es wird sogar über mehrere Schritte
die Bildung von Vitamin D mitbewirkt. Versagt die Niere, führt
das in wenigen Tagen unweigerlich zum Tod. Die Dialyse ist ein immer
noch sehr unvollkommener Weg, zumindest einen Teil der Nierenfunktion
zu ersetzen.

In
unseren Breitengraden sind folgende zwei Dialyseverfahren am wichtigsten,
die nach dem Prinzip der Osmose arbeiten:
1.
Die Hämodialyse
Hier
wird nach dem Prinzip des Konzentrationsausgleich von zwei stark
unterschiedlichen Substanzen verfahren. Auf der einen Seite das
Blut, vollbeladen mit Abfallprodukten und z.B. Kalium, auf der anderen
Seite eine künstlich hergestellte Lösung, die natürlich
keine Abfallprodukte enthält und nur eine geringe Menge an
Kalium oder gar keins. Man kann die Lösung so wählen,
wie es der jeweilige Patient braucht. Zwischen dem Blut und der
Dialyslösung ist ein Filter, der kleine Poren hat (wie ein
Kaffeefilter). Damit werden die Blutzellen und Eiweiße zurückgehalten.
Die sind so groß, dass sie nicht durch die kleinen Filterporen
passen.
Auf
der einen Seite wird jetzt das Blut beim Menschen entnommen, kommt
an den Filter, die Blutbestandteile die durch die Poren passen strömen
in die Dialyselösung, die sich auf der anderen Filterseite
befindet. Der Filter wird ständig von frischer Lösung
durchströmt. Das so gereinigte Blut wird an einer anderen Stelle
wieder in den Körper hineingeleitet. Das ganze muss ca. 4-5
Stunden pro Sitzung und dreimal in der Woche durchgeführt werden.
Um einen genügend durchflossenen Anschluß zu bekommen
wird häufig ein Shunt angelegt.
2.
Die Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse)
Jeder
von uns hat ein Bauchfell. Hierbei handelt es sich um ein gut durchblutetes
Gewebe im Bauchraum, das zum Beispiel auch eine wichtige Funktion
in der Immunabwehr des Körpers spielt. Diese Gewebe hat eine
besondere Eigenschaft: Man hat entdeckt, dass es die Nierenfunktion
teilweise ersetzen kann. Hierzu wird dem Patienten ein Schlauch
(Katheter) in den Bauch implantiert. Jetzt nimmt man wieder die
Dialyslösung, füllt diese in den Bauchraum, belässt
diese dort über mehrere Stunden. Als natürlicher Filter
wirken jetzt die Blutgefäße des Bauchfells (Peritoneum),
aus dem Blut strömen jetzt die Abfallstoffe in die Lösung,
die nach einigen Stunden wieder gewechselt wird. Dies muss täglich
mehrmals gemacht werden.
Der
Vorteil ist die Unabhängigkeit der Patienten von anderen. Sie
können alles zu Hause erledigen, auch Urlaubsreisen sind möglich.
Ein großer Nachteil ist die Gefahr, dass die Bauchhöhle
bei einem möglichen Kontakt mit der Umgebung mit pathogenen
Keimen infiziert wird, die Patienten müssen beim Wechseln der
Lösungen sehr steril arbeiten.
Dies
alles ersetzt nicht die normale Nierenfunktion, so dass die Nierentransplantation,
soweit individuell möglich und gewünscht, immer das erstrebenswerte
Ziel ist.

Ursachen
und Prävention für Nierenkranke
Ein chronisches
Nierenversagen kann sich aufgrund verschiedener Ursachen entwickeln.
jeder Verlust von funktionierendem Nierengewebe führt zu einem
Abfall der GFR, (glomeruläre Filtrationsrate) der aber zum
teil kompensatorisch durch eine
Hyperfiltration der verbleibenden nephrone ausgeglichen wird.
Die Ursachen für Nierenerkrankungen können sein:
- Langzeitfolgen
eines Diabetes melitus
- Bluthochdruck
- Immunerkrankungen
- Angeborene
Erkrankungen z.B. Zystennieren
- Urinabflußstörungen
- Lang andauernde
oder wiederholte Nierenentzündungen
- Medikamente/Drogen,
und Umweltgifte.
Llang andauernde
oder wiederholte Nierenentzündungen können die Niere nachhaltig
schädigen. Die Langzeitfolgen eines Diabetes können durch
Arteriosklerose die feinen Blutgefäße der Nierenkörperchen
zerstören. Angeborenen Fehlbildungen können lange unentdeckt
bleiben und zum allmählichen Verlust der Nierenfunktion führen.
Es können auch Schadstoffe wie Schmerzmittel oder Umweltgifte
die Niere auf Dauer beeinträchtigen.
Als wichtige
Prävention empfiehlt die GfN ( Gesellschaft für Nephrolgie
), den Urintest ( Mikroalbuminurie ) zur Bestimmung einer Eiweißausscheidung
im Urin als Indikator für Nierenerkrankungen neben der Blutbildanalyse
als Standard in den hausärztlichen Jahres- Check-up zu integrieren.
Im Anfangsstadium
einer Nierenerkrankung ist es wichtig, eine genaue Quantifizierung
der Nierenfunktion vorzunehmen, um den Grad der Nierenerkrankungen
zu erkennen, den verlauf zu beobachten und Medikamente richtig zu
dosieren. Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) ist der grundlegende
Parameter. Die GFR ist die Summe aller Filtrationsraten der einzelnen,
funktionierenden Nehrone. Sie stellt zudem ein Maß für
das funktionsfähige Nierenparenchym dar. Das Ausmaß einer
Nierenerkrankung sowie die weitere Prognose hängen maßgeblich
von der GFR ab. Die GFR ist nicht direkt messbar, kann jedoch leicht
ermittelt werden. Hilfen zur Ermittlung finden sich vielfach im
Internet, zum Beispiel unter www.NierenRechner.de.
Anmerkung: Sie
sollten sich immer mit ihrem Hausarzt oder Nephrologen darüber
Unterhalten.

Dialysezentren
in unserem Einzugsbereich
Telefonnummern
Dialyse
Andernach 02632-493500
Dialyse
Bad Neuenahr-Ahrweiler 02641-200813
Dialyse
Bad Godesberg 0228-935530
Bad
Honnef 02224-772147
Dialyse
Daun 06592-95050
Dialyse
Med. Uni.Klinik Bonn 0228-28715285
CAPD
Med.Uni.Klinik Bonn 0228-28716277
TPN
Med.Uni.Klinik Bonn 0228-28714993
Nephrologische
Amb. Bonn 0228-28716334
Dialyse
Praxis Bonn 0228-624061
Dialyse
Erftstadt 02235-692399
Dialyse
Euskirchen 02251-770404
Dialyse
Linz 02644-600412
Dialyse
Mayen 02651-901881
Dialyse
Mechernich /CAPD 02443-98890
Dialyse
Neuwied 02631-946275
KfH.Dialyse
Neuwied 02631-39030
Dialysestation
Neuwied Elisabeth.KKH 02631-821555
Nephrologische
Amb.Neuwied 02631-821525
Dialyse
Remagen 02642-906811
Dialyse
Rheinbach 02226-13828
Dialyse
Schleiden 02445-911860
Dialyse
Siegburg 02241-596430
Dialyse
Wesseling 02236-43064
Dialyse
Ippendorf 0228-283892
Dialyse
Leverkusen 0214-830580

Urlaubsdialysezentren
- von Mitgliedern 2005/2006 besucht
Dialyse-Füssen
www.dialyse-fuessen.com (Mitgl. W.Bach)
Dialyse-Friedrichshafen,
Prof. Bresch (Mitgl. W.Bach)
Dialyse-Am
Reichstag Berlin-Mitte, Fr. Dr.C.Braun (Mitgl. W.Bach)
Feriendialyse
in Güstrow (Meckl.-Vorpommern)- 2007x2 - Herm. Grasteit
Feriendialyse
in Grüstow - 2008 - Hermann Grasteit
Dialyse-Füssen
- 2008 - Willi Bach

Pressemitteilung
zur Qualitätssicherung (als PDF)
Vergleichende externe Qualitätssicherung nun auch in der vertragsärztlichen
Versorgung. Gemeinsamer Bundesausschuss beschließt die Qualitätssicherungs-Richtlinie
Dialyse.
Qualitätssicherungs-Richtlinie
Dialyse (als PDF)
„Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Sicherung
der Qualität von Dialyse-Behandlungen nach §§ 136
und 136 a SGB V (Qualitätssicherungs-Richtlinie Dialyse) in
der Fassung vom 20. Dezember 2005
Erläuterungen
zur Qualitätssicherungs-Richtlinie Dialyse
vom 20. Dezember 2005
Anforderungen
Benchmarking-Berichte
und zusammenfassender Jahresbericht
Dialyse-Füssen
Dr. Betz
Urlaubsdialysezentren, von Mitglieder besucht
Nnähere Auskunft erhalten sie vom Vorsitzenden Willi Bach
D-87629 F ü s s e n, Hopfener Str. 4
Tel. 08362-940 180, Fax 08362-940 115
www.dialyse-fuessen.de

Zystenniere:
Bringt ein Medikament Hilfe?
Bei Patienten
mit Zystennieren bilden sich in dem Organ umkapselte, flüssigkeitsgefüllte
Hohlräume. Diese verdrängen im Lauf der Zeit das normale
Gewebe und beeinträchtigen die Funktion der Nieren. Bisher
waren Zystennieren nicht behandelbar. Das könnte sich ändern:
Freiburger Forscher stellten fest, dass ein Medikament, welches
die körpereigene Abwehr unterdrückt, das Wachstum der
Zysten hemmt. Sie testen das Mittel jetzt in einer Studie mit 300
Patienten. Erste Ergebnisse erwarten die Ärzte in zwei bis
drei Jahren.

Fördermitgliedschaft
bei der Deutschen Rettungsflugwacht e.V.
Sehr geehrte
Damen und Herren,
In den Allgemeinen
Bedingungen für die Versicherung von Rettungs-, Rückhol-
und Verlegungsflügen für die Fördermitglieder der
DRF geht hervor: sind
1.Rettungsflüge aus dem Ausland, und zwar zu dem dem Wohnort
des Mitglieds der
DRF nächstgelegenen Krankenhaus
2. Rettungsflüge innerhalb von Deutschland in das nächste
für die Behandlung
geeignete Krankenhaus
3. Verlegungsflüge von Krankenhaus zu Krankenhaus innerhalb
von Deutschland ,
sowie Rücktransporte aus dem Ausland in das Ausland.
In der Versicherung enthalten
Der Transport muss medizinisch notwendig und ärztlich angeordnet
sein.
Flugkosten aus dem Ausland zur Transplantation sind gemäß
den vorgenannten Bedingungen durch den in der Fördermitgliedschaft
enthalten Versicherungsschutz abgedeckt, wenn die Transplantation
in dem dem Wohnort des Mitglieds nächstgelegenen Transplantationszentrum
erfolgt.
Die DRF rät Patienten auf der Warteliste, jedoch von einen
Auslandsaufenthalt oder Urlaub im Ausland ab. Für einen rechtzeitigen
Rücktransport aus dem Ausland kann die DRF keinerlei Zusagen
geben.
Die Rückholung oder Verlegung im Ausland erkrankter Deutsche
wird von unserer
Alarmzentrale, die rund um die Uhr mit Fachpersonal besetzt ist,
organisiert und durchgeführt.
Unsere Alarmzentrale
erreichen sie ständig unter folgenden Nummern:
Telefon: 0711-701070
Fax 0711-701071
Der Jahresbeitrag
für Dialysepatienten, die Mitglied im Bundesverband Niere e.V.
sind beträgt 20.-€, für die Familienangehörigen
10.-€. Bei Fragen an die DRF wenden Sie sich bitte an 0711-70072211.
Mit freundlichen
Grüßen
Willi Bach, Vorsitzender
genehmigt am
3.7.07 durch DRF um 8.45 Uhr – telefonisch gez.Bach
27.6.07 DRF - Heidi Zingler-Suckert - Raiffeisenstr.32 - 70794 Filderstadt

"Süßer"Nierentod
jetzt geklärt
Aus der Apoteken Umschau 2/08
Mediziner
der Universität Heidelberg haben einen Mechanismus aufgedeckt,
der zum Nierenversagen bei Diabetikern führt. Im Tierversuch
stellten sie fest, dass bei zu hohem Blutzucker das körpereigene
Eiweiß APC nicht gebildet wird.
Dessen Mangel löst in Nierenzellen ein Selbstmordprogramm (Apoptose)
aus. Mit dem Antibiotikum Minocyclin konnten die Forscher im Tierversuch
die Apoptose verhindern und so diabetische Mäuse vor dem Nierenversagen
schützen. Die diabetische nephropathie ist in Deutschland der
häufigste grund für eine Dialysebehandlung (Dialyse: Lebensrettende
Blutwäsche).

Konstrastmittel
und Nierenerkrankung
Seit
etwa einem Jahr wird bei chronisch nierenkranken Patienten ein Zusammenhang
zwischen der Gabe von Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln und dem
Auftreten einer sogenannten Nephrogenen Systemischen Fibrose (NSF)
vermutet. Die NSF ist erst seit circa zehn Jahren bekannt. Sie geht
mit einer systemischen Vermehrung von Bindegewebszellen einher,
meist in der Haut der Extremitäten, mitunter sind jedoch auch
innnere Organe betroffen. In etwa fünf Prozent der NSF-Fälle
findet sich ein rasches Fortschreiten mit tödlichem Ausgang.
Gadolinium-haltige Kontrastmittel sind daher nach jetziger Datenlage,
als Vorsichtsmaßnahmen der Behörden, in der EU mit einem
Warnhinweis für die Gabe bei Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen
(GFR 30ml / min / 1,73m²) versehen. Omniscan, Magnevit, ProHance
und Dotarem haben für solche Patienten eine Kontra-Indikation,
was in der Fachinformation der Produkte ausgewiesen ist.
Über
Risiko informieren
Es ist weiterhin wichtg, Radilogen, Nephrologen und Kardiologen
über die Erkrankung und ihre Prävention zu informieren
und eine aktuelle Abbildung der Risikoprofile verschiedener Produktgruppen
und Präparate zu geben. Auch müssen weiter Daten gesammelt
werden, da der wirkliche Entstehungsmechanismus der NSF noch ungeklärt
ist. Über den aktuellen Kenntnisstand und die verschiedenen
Hypothesen zur Erklärung des Auftretens einer NSF bei schwer
niereninsuffitinten Patienten informiert das Unternehmen GE Healthcare
im Rahmen des Jahreskongresses für Nephrologie im September
2007 in München.
Bei anderen Patientengruppen mit geringfügiger Niereninsuffizienz
sowie bei Nierengesunden ist eine NSF nicht bekannt. Schwer nierenkranke
Patienten stellen somit eine besondere risikobehaftete Gruppe dar,
wenn es um die Gabe von Kontrastmitteln geht. Das gilt für
die NSF nach Gadoliniumgabe, aber auch für die durch Röntgenkontrastmittel
induzierte Nephropathie (KIN). Bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung
und weiteren Risikofaktoren, wie ein lamgjähriger Diabetes,
ist das Auftreten dieser Form der Nephropathie deutlich erhöht.
Aber auch schon bei Personen mit einer nur leicht eingeschränkten
Nierenfunktion sollten besondere Präventionsmaßnahmen
getroffen werden. Quelle:GE HEALTHCARE

Dialysestandard
2006
Im
Dialysestandard 2006 werden Empfehlungen für eine dem Stand
des Wissens
entsprechende, den Ansprüchen der modernen Medizin und der
Wirtschaftlichkeit gerecht werdenden Behandlung von Patienten mit
akutem Nierenversagen oder chronischer Niereninsuffizienz im weit
fortgeschrittenen Stadium niedergelegt. Unter Berücksichtigung
des „Dialysestandards 1993“ und
des „Dialysestandards 2000“ sowie in Anlehnung an die
Standards aus den USA, Großbritannien und Frankreich soll
der deutsche Dialysestandard dabei nach Elementen der Struktur-,
Prozess- und Ergebnisqualität gegliedert werden.
Bei
so hoch entwickelten technologischen Verfahren wie der Dialyse-
und
Apheresebehandlung ist stets mit unvorhersehbaren Entwicklungen
zu rechnen.
Der vorliegende Dialysestandard 2006 gibt dabei den Stand des Wissens
und der Technik des Jahres 2006 wieder. Er bezieht sich auf Probleme
der
Dialysebehandlung (incl. Peritonealdialyse und Hämofiltration)
sowie der
Apherese und analoger Verfahren. Fragen der Nierentransplantation
werden
nicht behandelt.

Interview mit dem Shuntchirurg Herrn Prof. Krönung
Thomas Lehn / 6. Februar 2009
Der Verein Jungen Nierenkranke Deutschland e.V. veranstaltet für seine Mitglieder jährlich drei Seminare. Im Seminar Qualitätsmanagement hielt Prof. Krönung aus Ottweiler, einer der führenden Shuntspezialisten in Deutschland, einen Vortrag über Qualitätskriterien beim Shuntmanagement. Als Vorstandsmitglied und Betroffener hatte ich die Gelegenheit, ein Interview bei Prof. Krönung im Saarland zu machen.
Herr Prof. Krönung, wir haben uns bei einem Patientenseminar der Jungen Nierenkranken Deutschland e.V. in Bonn kennen gelernt, bei dem Sie einen beeindruckenden Vortrag über Qualitätskriterien beim Shuntmanagement hielten. Sie hatten dann noch beim Essen Gelegenheit, über ihre interessante, und für uns Betroffenen, ungeheuer wichtige Arbeit zu erzählen. Aufgrund von Shuntschwierigkeiten, die bei mir als Langzeitdialysepatient (im 35 Jahr) immer mal wieder auftreten und erst kürzlich eine mehrstündige OP in Neckargemünd bei Prof. Brittinger zur Folge hatte, ist mir wieder einmal klar geworden, dass unsere Lebensader, der sog. Shunt, der die wichtigste Vorraussetzung für eine optimale und effektive Dialyse ist, nur begrenzt haltbar ist. Ohne einen gut laufenden Shunt ist die Langzeit-Hämodialyse nicht möglich. Sie sind einer der führenden Shunt-Chirurgen in Deutschland, wenn ich das mal so sagen darf. Bei Ihnen geben sich Betroffene mit ihren Problemshunts die Türklinke in die Hand. Das sind oft schwierige Fälle mit zahlreichen Voroperationen die dann letztendlich zu Ihnen überwiesen werden. Sie sind Chefarzt der chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses in Ottweiler und haben bereits zahlreiche Publikationen zum Thema Gefäßzugänge verfasst. Sie haben Ihr Shuntkompetenzzentrum in Ottweiler im Saarland aufgebaut und operieren mit Ihrem Team über 600 Shunts im Jahr. Sie sind auch im Ausland unter den Shuntchirurgen bekannt. Ich denke, in Deutschland haben sich seit Jahren nur einige wenige Schwerpunktzentren für Shunt-Chirurgie etabliert. Ich habe mal gelesen, Herr Professor Krönung, um die nötige Erfahrung in der Dialyseshunt-Chirurgie einschließlich aller möglichen exotischen Shuntformen zu erlangen, sollten in der Größenordnung mehr als 200 Shunt OP`s vom Chirurgen im Jahr durchgeführt werden. Weiter habe ich gelesen, dass viele kleine Shunt Zentren ihre basisshuntchirurgischen Kenntnisse bis zum Exzess ausreizen, und dass im Einzelfall der betroffene Dialysepatient wieder zu Ihnen oder zu den wenigen Schwerpunktzentren kommt, um zu einer anständigen Lebensader zu erlangen. Wie sehen Sie das?
Krönung: Es ist sicher richtig, dass eine gute Shuntchirurgie einen sehr hohen Grad an Erfahrung fordert. Ich würde bei weniger Erfahrung nicht von kleinen Shuntzentren reden. Hier handelt es sich um Allgemeinchirurgen oder Gefäßchirurgen, aber auch um andere Disziplinen, die gelegentlich shuntchirurgische Eingriffe durchführen. Dies ist heute sicherlich keine gute Voraussetzung mehr, eine professionelle Shuntchirurgie anzubieten. Es ist natürlich immer schwierig, eine Zahl zu nennen. Der Geschicktere oder Begabtere oder Engagiertere kommt mit weniger Shuntoperationen aus als der Ungeschicktere, Unbegabtere und weniger Engagierte. Ich würde aber die Größenordnung ähnlich sehen, sicher nicht weniger als 100 Shunts pro Jahr.
Was zeichnet einen hervorragenden Shunt-Chirurg aus?
Krönung:
Langjährige Erfahrung, minuziöse sorgfältigste OP-Technik, Verständnis der Shuntchirurgie als Prozesschirurgie, hohes Engagement mit Bereitschaft zum Verzicht im Privatleben durch die vielen dringlichen oder notfallmäßigen Eingriffe, hohe soziale Kompetenz im Umgang mit den chronisch kranken, oft polymorbiden Dialysepatienten.
Sie sagen Shunt-Chirurgie ist Prozesschirurgie. Was meinten Sie damit genau?
Krönung: Die Shuntvene reagiert auf die Arterialisierung mit vielfältigen morphologischen Veränderungen. Diese müssen langfristig, unter Umständen über Jahre gesteuert und geführt werden (z. B. durch die Punktion, durch regelmäßige Kontrolluntersuchung, durch Abklärung jeder Fehlfunktion, durch Service-Operationen beim noch laufenden Shunt, um einer Komplikation wie der Thrombose zuvor zu kommen.
In ihrem Vortrag sprachen sie über Management bei einer Shuntneuanlage. Was ist darunter zu verstehen?
Krönung: Jede Shuntneuanlage wie auch die Shunterstanlage muss in ein langfristiges Konzept eingebaut werden. Es geht nicht nur um die Frage, welchen Shunt lege ich jetzt neu an, sondern wie werden die nächsten 2 bis 3 Shunts aussehen, wenn dieser Shunt einmal nicht mehr funktioniert. Hierbei sollte insbesondere darauf geachtet werden, dass jede Shuntneuanlage möglichst viele Folgeshunts zulässt und nicht spätere Möglichkeiten verbaut.
Gibt es in Deutschland für die Shunt-Chirurgie bestimmte Qualitätsstandards, wie z.B. in Amerika gibt es die DOQI-Guidelines?
Krönung: Nein, wobei ich anmerken möchte , dass ich mit vielen Punkten der DOQI-Guidelines nicht einverstanden bin.
Hat ein betroffener Dialysepatient die Möglichkeit, die Erstanlage seines Shunts in einem der Schwerpunktzentren operiert zu bekommen, oder muss er zum Gefäßchirurg in seiner Nähe?
Krönung: Hier gibt es keine allgemein gültige oder gar gesetzliche Regelung. Entscheidend ist im wesentlichen das Engagement des Patienten selber, seine Interessen durchzusetzen, d. h. zu einem professionellen Shuntchirurgen seiner Wahl zu gehen. Sollte es hier mit den Kostenträgern Transportprobleme geben, können diese meist gemeinsam vor der geplanten Op geklärt werden.
Ich persönlich habe Bedenken, dass irgendwann die guten Shunt-Chirurgen aus Altersgründen ausscheiden werden. Das ist ja auch normal. Aber wie sieht es denn mit den Nachfolgern aus?
Krönung: Dies scheint in der Tat ein Problem zu sein. Ich würde gerne einen Assistenten ausbilden, habe bis heute niemanden gefunden der bereit ist, diese tägliche stundenlange feinmotorische Arbeit mit Lupenbrille über einen längeren Zeitraum mit häufigem Überschreiten der Arbeitszeit durch die vielen dringlichen und notfallmäßigen Operationen durchzuführen.
Könnten Sie sich vorstellen, im Zeitalter des Internet und der digitalen Bildübertragung, dass Sie Ihre Erfahrung, an Ihre nicht so versierten Kollegen, die über einige hundert Kilometer entfernt am OP Tisch stehen, weitergeben könnten, damit die Patienten dann nicht so lange Anreisewege haben würden?
Krönung: In meinem Zentrum erfolgt die gesamte Dokumentation inzwischen digital und ich biete auch Kollegen die digitale Informationsübermittlung an (z. B. OP-Fotos, Skizzen, etc.). Hiervon wird noch sehr wenig Gebrauch gemacht. Ich bin sicher, dass dies die Zukunft nicht nur der Shuntchirurgie, sondern auch in anderen medizinischen Bereichen sein wird. Hierfür fehlen aber noch infrastrukturelle Voraussetzungen, die der ganze Medizinbetrieb entwickeln muss, und dies ist auch im Entstehen, wenn auch langsam.
Ich habe gelesen, dass es in Amerika sogenannte fliegende Shunt-Chirurgen gibt, die mit ihrem mobilen OP vor das Hospital parken und die bereitstehenden Patienten operieren! Könnte man sich das in Deutschland auch in der Zukunft vorstellen?
Krönung: Diesen Vorschlag habe ich den Kostenträgern schon vor Jahren gemacht. Er ist damals an berufständigen Problemen (KV'en, etc.) gescheitert.
Wird sich aufgrund des Kostendrucks die Qualität in der Shuntchirurgie auf der Strecke bleiben?
Krönung: Hier entsteht eine paradoxe Situation. Bisher wurden Shunts relativ schlecht honoriert, so dass nur sehr wenige engagierte Shuntchirurgen trotzdem eine qualitativ hochwertige professionelle Shuntchirurgie betrieben haben. Eine Besserbezahlung der shuntchirurgischen Tätigkeit muss unbedingt verbunden werden mit einer Qualitätskontrolle, damit nicht aus nahe liegenden Gründen unerfahrene Operateure in breitem Stil Shuntchirurgie betreiben.
Was raten sie den Betroffenen, damit ihre Lebensader lange erhalten bleibt?
Krönung: Sich nur einem erfahrenen Shuntchirurgen anvertrauen und mit ihm alle Einzelheiten über das jeweils individuelle Gefäßsystem und die damit verbunden Shuntmöglichkeiten zu besprechen und die Shuntchirurgie möglichst in der Hand eines solchen erfahrenen Shuntchirurgen belassen. Das schlechteste ist sicherlich ein "Shunt-Tourismus" mit häufigem Wechsel von Shuntchirurgen, meist ohne den dringend notwendigen entsprechenden Informationsfluss.
Wird es nach Ihrer Meinung in Zukunft andere Anschlussverfahren geben, oder entwickelt man die Shunts weiter?
Krönung: Man kann alle grundsätzlich möglichen Gefäßzugänge systemisch in 4 Gruppen mit Untergruppen vollständig darstellen. Alle seit Beginn der Dialysetherapie Mitte des vorigen Jahrhunderts entwickelten Gefäßzugänge lassen sich zwanglos und eindeutig in dieses Schema einordnen. Da umgekehrt alle Möglichkeiten teils mehrfach realisiert wurden, folgt für die weitere Entwicklung: Es liegt ein umfangreicher Erfahrungsschatz vor, der durch systematische Auswertung mit Formulierung zu Grunde liegender Gesetzmäßigkeiten zur Detailverbesserung und zur Vermeidung der Wiederholung von Fehlern führen sollte. Ein grundsätzlich neuer Lösungsansatz für den Gefäßzugang ist nicht formulierbar. Vorstellbar wäre evtl. in der Zukunft die Verwendung von geklonten Gefäßen als Dialysezugang. Wenn die Genmedizin so weit ist wird es aber wahrscheinlich dann aber auch möglich sein, geklonte Nieren herzustellen, die dann die bisherige maschinelle Nierenersatztherapie und damit die Shuntchirurgie überflüssig machen würden.
Vielen Dank für das bemerkenswerte Interview. Ich hoffe natürlich für uns Betroffenen, dass die Shuntchirurgie in der Zukunft, trotz Kostendruck und Gesundheitsreformen, weiterhin die Qualität aufweist, wie wir sie heute kennen. Ich wünsche uns Betroffenen, dass für die Zukunft best ausgebildete professionelle Shuntchirurgen, mit dem Erfahrungsschatz und dem Engagement eines Prof. Krönung, eines Prof. Brittinger oder einer handvoll Shuntchirurgen in Deutschland, uns zur Verfügung stehen werden.
Bei Fragen: Thomas Lehn - Junge Nierenkranke Deutschland e.V. Email: Thomas.Lehn@epost.de Homepage: http://www.Thomas-Lehn.de

|